Ein Kranich unter Wölfen

Historischer Hintergrund:

König Yeonsan war der schlimmste Tyrann in Korea – er regierte von 1495 bis 1506. Nachdem 1504 seine Mutter hingerichtet wurde begibt er sich auf einen Rachefeldzug und läutet die größte Säuberungsaktion seiner Herrschaft ein. Korrumpiert durch seine absolute Macht begeht er Gräueltaten ohne Ende – er stiehlt seinem Volk das Land, den Männern ihre Frauen und Töchter und versklavt sie. Nicht einmal vor seiner eigenen Familie macht er Halt – richtet Familienmitglieder hin. Regierungsbeamte müssen nicht nur um ihren Posten sondern um ihr Leben fürchten – es hängt nur von der Laune des Königs ab ob man in Ungnade fällt.

Auf Holzspießen steckten abgeschlagene Köpfe mit starrenden Augen und heraushängenden Zungen. Polizeibeamte waren damit beschäftigt die öffentlichen Mauern abzuschrubben, um die darauf gepinselten Schmähungen zu entfernen. Verdammt sei der König! Verdammt sei der König! Verdammt sei der König!
Schwarzer Qualm verlieh der Stadt eine düstere Atmosphäre.

Vor diesem Hintergrund wird die Geschichte von Iseul erzählt. Die Eltern von Königsschergen gemeuchelt, die Schwester Suyeon in den Königspalast entführt wo sie als Konkubine des Königs gehalten wird. Iseul macht sich auf den Weg in die Hauptstadt zum Königspalast um ihre Schwester zu suchen. Der Weg dahin ist gefährlich und auch sie muss jederzeit damit rechnen von den Schergen des Königs eingefangen und verschleppt zu werden. Es ist nicht so einfach für sie zu unterscheiden wem sie vertrauen kann und wem nicht. Und dann ist da noch namenlose Blume – der Mörder der Regierungsbeamte meuchelt. Kann sie den Mörder vielleicht entlarven und als Belohnung ihre Schwester vom König fordern? Auch das Volk ist so langsam die Schreckensherrschaft des Königs leid – selbst in den Reihen der Regierungsbeamten formiert sich Widerstand. Unter diesen Bedingungen lernt Iseul den Bruder des Königs Daehyun kennen – kann sie ihm vertrauen?

Als erstes hat mich das ausdrucksstarke, künstlerische Cover angesprochen. Der atmosphärische Schreibstil spiegelt sehr gut das Setting der Geschichte wieder. Als Leser bin ich regelrecht dabei – die Stimmung wird sehr gut eingefangen. Die Figur der Iseul gefiel mir sehr gut – ein wenig naiv, oft mit dem Kopf durch die Wand (wie 17jähriger nun mal so sind) aber doch mit dem Willen zu lernen und sich weiterzuentwickeln um ihre Schwester zu retten. Der Roman orientiert sich an wirklichen geschichtlichen Ereignissen und Figuren – allerdings mit einer großen Portion Fiktion. Die Figuren bleiben menschlich – sie machen Fehler, haben Stärken und Schwächen und kommen daher authentisch rüber. Die Geschichte wird von zwei Seiten beleuchtet – Iseul bringt uns dem einfachen Volk näher, zeigt uns die Not und die Probleme auf während wir durch Prinz Daehyun Einblick in den königlichen Palast erhalten. Dort sind Intrigen, bedrückte Stimmung und Misstrauen an der Tagesordnung. Durch diesen ständigen Perspektivwechsel bleibt die Geschichte interessant und lebendig. Es war für mich ein sehr interessanter, spannender Roman der die 5 Punkte eindeutig verdient.

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